erschienen in systhema 15 (3), 2001

Barbara Gussone & Günter Schiepek (2000): Die „Sorge um sich“. Burnout-Prävention und Lebenskunst in helfenden Berufen. Tübingen: dgvt-Verlag, 200 S., DM 27,80.

 Burnout in helfenden Berufen – bei diesem viel besprochenen Thema. verzichten Barbara Gussone und Günter Schiepek auf defizitorientierte  Beschreibungen  zugunsten einer Empowerment - Perspektive, die die Sorge um die eigenen Ressourcen – notwendig zur Förderung von Ressourcen bei Hilfesuchenden - als Lebenskunst sieht. Das Entstehen von Burnout liegt nach den dargestellten Burnout-Theorien begründet in gesellschaftlichen Bedingungen (Schlüsselbegriffe: Machtpartizipation, Entfremdung, Risikogesellschaft), in der Arbeitsorganisation (Macht in Organisationen, Rollen- und Aufgabenstrukturen, normative Strukturen) sowie in personbedingten Bedingungen (Überengagement, labiles Selbstwertgefühl, „Hilflose Helfer“). Die meisten Konzepte zur Burnoutvermeidung sind individuumszentriert. Schiepek setzt sein Konzept von Systemkompetenz (schöne zusammengefasste Darstellung!) und Supervision als Qualitätssicherung dagegen.Es geht den Autoren nicht um kompensatorische Psychohygiene, sondern um den „Entwurf der eigenen Existenz, nach der Gestaltung seines Lebens, das man aufgefordert ist, in die Hand zu nehmen und um die Beteiligung an Machtdiskursen, die jede/r von uns mitgestaltet“( S. 21). Dazu greifen sie zurück auf Foucault und sein Konzept der Selbstsorge als Kunst, die eigene Existenz zu entwerfen, ein kontinuierlicher Prozess der Selbstformung und –gestaltung unabhängig von fremden Normen und Vorstellungen., Macht auch über sich selbst. Macht ist bei Foucault kein stabiler Zustand, sondern ein (umkehrbares) Beziehungsgefüge. Selbstsorge heißt dann auch, sich in Machtbeziehungen zurechtzufinden und dafür zu sorgen, dass es keine Herrschaftsbeziehungen werden. Wie sich psychosoziale Helferinnen im Alltag ihrer selbst bemächtigen, ihre Ressourcen nutzen und ihre Power bewahren, zeigen die Autoren in vier Portraits und einem Interview. Die sorgfältige bibliophile Aufmachung, der erzählende Schreibstil und die verständliche Darstellung der Philosophie Foucaults laden ein, sich auf  das Thema einzulassen und schon im Lesen  für sich zu sorgen.

Cornelia Tsirigotis (Aachen)